Duisburg.
Mit dem Altweiberball am Güterbahnhof hat der Duisburger Straßenkarneval offiziell begonnen. Einige Besucher im Festzelt beeindruckten besonders.
Bierdosen pflastern den Weg. Kleine Schnapsfläschchen liegen in den Büschen. Das ist rund um den Duisburger Hauptbahnhof an sich nichts Ungewöhnliches. Und doch ist heute etwas anders. Gar lustig gewandete Gesellen quälen sich unter grauem Februarhimmel durch den beständigen Nieselregen, Richtung Güterbahnhof, immer dem dumpfen Wummern nach.
An der Kreuzung zur Koloniestraße kommt es endlich in Sicht: das große, weiße Zelt. Die Mienen der begossenen Cowboys und Pudel hellen sich auf, Bürohengste schauen sehnsüchtig aus ihren Fenstern und dann resignierend zurück auf den Bildschirm – immerhin sind sie im Trockenen.
Doch selbst der Regen vermag die Stimmung der Narren draußen jetzt nicht mehr zu trüben (sicher, das vierte Bier um 10.30 Uhr hilft auch), denn der Altweiberball im Festzelt am Güterbahnhof markiert jetzt ganz endgültig den Start des Duisburger Straßenkarnevals. Bis Aschermittwoch schweigt der Alltag, wenn die Karnevalisten erst die Sicherheitskontrolle passiert haben und im Allerheiligsten der Jecken stehen.
Duisburger Karnevalisten glänzen mit aufwendigen Kostümen
Auf der Bühne bölkt Michael Jansen, Präsident des Hauptausschusses Duisburger Karneval (HDK), mit der letzten Reststimme Partyparolen ins Mikro, die aufgepeitschte Narrenhorde antwortet enthusiastisch – und kann sich im Übrigen richtig sehen lassen. Sicher, das ein oder andere uninspirierte Alibikostüm ist auch mit dabei, schließlich ist eine Verkleidung dieser Tage die Lizenz zum Daydrinking. Aber auffällig viele Duisburger haben sich auffällig aufwendig in Schale geschmissen.
Gleich mehrere Harry Potters (mit der entsprechenden Narbe, natürlich) setzen sich gut gelaunt die Kannen an den Hals, zwei dickbäuchige Lorax tanzen vor dem Bierwagen, ein römischer Soldat bützt einen schwarzen Engel mit prächtigen, dunklen Schwingen. Ob man nun Karnevalsfan ist oder nicht – den gerade wortwörtlich grauen Alltag so farbenfroh hinter sich zu lassen, ist einfach schön.
„Europa im Herzen“: Der Karneval wird politisch
Auch wenn der Altweiberball in erster Linie natürlich eine Party ist: Ein offizielles Bühnenprogramm gibt es trotzdem. Das beginnt um 11 Uhr mit dem Einmarsch des HDK, inklusive Oberbürgermeister Sören Link und Stadtdirektor Martin Murrack. Der erste Bürger der Stadt wurde kurz zuvor im Rathaus von den Möhnen entmachtet. Für die Party im Zelt hat er sich in das grüne Gewand eines Jägers geschmissen. Auf der Bühne angekommen, fällt um beinahe jecke 11.10 Uhr Links Krawatte, und die Karnevalisten übernehmen endgültig.
Zunächst in Form der Kinderprinzencrew um Prinz Juls I., die ihre Sache wirklich gut macht. Nicht nur, was die Choreografie ihrer Shownummern betrifft, die Nachwuchsjecken haben auch eine starke Botschaft im Gepäck: „Wir feiern Karneval am Rhein“, singen sie, „die Welt ist viel zu klein, um Feinde zu sein.“ Ähnlich inspirierend – und in diesen turbulenten Zeiten ungemein wichtig – ist ja auch das Sessionsmotto: „Europa im Herzen – Konfetti im Blut“. Der „erwachsene“ Prinz, Toni I., darf natürlich auch nochmal ran, um tanzend und singend seine Entertainerqualitäten unter Beweis zu stellen.
Während Toni das tut, tröpfeln einzelne Jecken schon wieder aus dem Festzelt heraus und schlurfen Richtung Bahnhof. Ob sie heute noch arbeiten müssen, ob das letzte Bier schlecht war, ob das leichte Schlingern im Gang vom süßen Likör oder dem nassen Bürgersteig kommt – man weiß es nicht. Aber Bierdosen pflastern ihren Weg.
Fotos der Veranstaltung: Michael Söhring / HDK
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