Duisburg.
Der Rosenmontagszug in der Innenstadt fiel gleich mehreren heftigen Regengüssen zum Opfer. Wo die Stimmung trotzdem hervorragend war.
Der Karnevalsgott hat ironischerweise einen Sinn für Humor. Kaum hat sich der Duisburger Rosenmontagszug im Innenhafen pünktlich (!) um 13.11 Uhr in Bewegung gesetzt, öffnen sich die Himmel. Erst noch ein wenig zögerlich, doch als der erste Wagen das Rathaus passiert, lassen die Wolken alles fahren, öffnen alle Schläuche. Die Schuhe sind randvoll (mit Wasser), die armen Jecken, die sich für Kostüme mit Kunstfell entschieden haben, sehen aus wie benutzte Klobürsten.
Die beiden Polizistinnen im Leitwagen stemmen sich tapfer gegen die Naturgewalten und plärren den Karnevals-Kinder-Hit „Gute Laune“ in Dauerschleife durch die Lautsprecher. Am Kuhlenwall angekommen, hat Petrus dann ein Nachsehen und stellt den Regen ein, zumindest erst einmal. Auf den Balkonen und an der Straße Richtung Opernplatz drängen sich die Karnevalisten. Zwar klitschnass, aber bester Laune. Oben, unten, und überhaupt überall.
Rosenmontag in Duisburg: Am Opernplatz finden sich zwei Gattungen der Karnevalisten
Am Opernplatz kommen dann nicht nur die Jecken, sondern auch Hobbyanthropologen auf ihre Kosten. Die Narren teilen sich nämlich deutlich sichtbar in zwei Gattungen. Ganz nah an der Zugstrecketummeln sich die aufwendig kostümierten, die Kamelle-Tüten schon im Anschlag, alte Karnevalsschlager auf den Lippen. In der zweiten und dritten Reihe aber tummeln sich eine andere Spezies. Man erkennt sie am uninspiriert übergeworfenen Kostüm, am süßlichen Likörgeruch und der Bierpulle am Hals. An der leichten Schlagseite und am gut gefüllten Bollerwagen. Schön irgendwie, dass es der Karneval vermag, so diametral gegensätzliche Gruppen zusammenzubringen. Vorne gute Laune, hinten gute Laune.
Doch der Sauf-Anteil des Karnevals, er wird auf ein Mindestmaß heruntergeregelt, als der Zug auf die Ludgeristraße abbiegt. Von hier an sind die Kinder an der Macht, mit farbenfrohen Kostümen, einer unumstößlich guten Laune im Angesicht des zweiten Schauers, der sich über Duisburg ergießt, und dieser ungekünstelten, kindlichen Vorfreude. Gerade am Ludgeriplatz sieht man vor hüfthohen Narren kaum noch Asphalt. Sehr weit unten gute Laune
Prüfung des jecken Glaubens
Das Karnevalsvolk, es schöpft wieder Hoffnung, doch der eingangs erwähnte Karnevalsgott stellt seinen Schäfchen heute eine Prüfung des Glaubens. Denn als der Zug auf die Kammerstraße abbiegt, kübelt es nochmal so richtig, schlimmer als zuvor, und ohne Unterlass, bis der Leitwagen der Polizei das Ziel an der Koloniestraße erreicht.
Der Laune der Jecken tut das abermals keinen Abbruch, oder zumindest merkt man es kaum. In dem kleinen Straßenwirrwarr zwischen Kammer- und Koloniestraße, in dem sich der Zug ein wenig wie ein kölscher „Veedelszoch“ anfühlt, weht der Geist des Trotzes. Jetzt sind wir eh schon nass, so ungefähr der Gedanke, jetzt ist es auch egal, und die jecke Resilienz wogt durch die hohlen Straßenschluchten, jeder Schluck Bier und jedes Stück Kamelle ein Sieg über die Naturgewalten.
Und dann ist der Zug am Ziel. Ein Rosenmontagszug, den sich alle Beteiligten sicher anders vorgestellt haben. Der aber gerade deswegen seinen Reiz hat. Traumata schweißen zusammen, sagt man ja so. Trotzdem wäre es den Karnevalisten sicher lieber, wenn sich der Karnevalsgott mit seinem speziellen Humor im kommenden Jahr zurückhalten würde.
Fotos der Veranstaltung: Michael Söhring / HDK
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